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Thieves Like Us machen uns traurig

LIFE058_Cover

Als dieses Interview Anfang April geführt wurde, bat uns Andy von TLU, es nicht vor Mai zu veröffentlichen. Jetzt ist Juli. Das liegt vorallem daran, dass es ein sehr trauriges Interview ist. Und uns ging es einfach zu gut. Wir wollten uns nicht damit auseinandersetzen. Wir haben es öfter versucht, aber egal wie beschissen es uns ging, so beschissen gings uns dann doch wieder nicht. Der Weg nach unten ist genauso lang wie der nach oben. Manche Dinge brauchen ihre Zeit.

Ihr habt das Album nicht in Berlin aufgenommen.

Andy: Nein. In Paris. Es war sehr schwierig, denn wir leben in drei unterschiedlichen Städten, und es war nicht leicht, einen Termin zu finden. In Paris ist alles sehr teuer, also mussten wir alles in einem Keller aufnehmen.

Hört man das? Und wie probt ihr? Per Skype?

Haha, nein. Wir haben das mal versucht, aber es geht nicht. Aber ja, ich denke, das hört man.

Es geht bei euren Songs um Liebe, Drogen und das Clubleben. Auf eine ziemlich hoffnungslose, unterkühlte Art. Gehst du gern weg?

Eigentlich nicht. Früher. Aber normalerweise gehe ich mit hohen Erwartungen raus, und es endet damit, dass ich zuviel trinke und dumm rumstehe.

Bei eurem ersten Album ging es für mich immer genau darum. Das Gefühl des Wartens. „The days they go slow, the nights they go fast“ –

Genau das ist es. Das habe ich auch immer noch. Viele junge Leute sind nicht zufrieden mit dem Hier und Jetzt, sie warten darauf, dass irgendwas passiert, sie im Lotto gewinnen, sich verlieben. Warten darauf, dass alles sich ändert.

Aber das passiert nie, richtig?

Vielleicht gewinnen ein paar Leute im Lotto.

Aber selbst wenn, ändert das ihr Leben für zwei Wochen und dann ist alles beim Alten.

Wahrscheinlich, unglücklicherweise. Vielleicht kommt es davon, dass wir zuviele Kinofilme sehen… Die Realität macht mich oft sehr unglücklich.

Nicht zu destruktiv werden hier. Was war das Letzte, was dich zum Lachen gebracht hat?

… ehm. … Da muss ich überlegen.

Ja?

Komm. Sag irgendwas, worüber du gelacht hast.

… manchmal treffe ich lustige Leute. Und dann… ja, ich glaub, ich hab letzte Woche einen Film gesehen, der war echt lustig. Aber ich hab vergessen, wie er hieß.

Oh Mann. OK. Was hat dich zuletzt richtig glücklich gemacht?

Ich war vor zwei Jahren sehr in ein Mädchen verliebt, da war ich glücklich. Die meisten Songs des neuen Albums handeln von ihr.

Kam das böse Ende?

Ja. Sie war Russin und kam irgendwie in Kontakt mit der Mafia. Wir wollten nach NY ziehen, aber sie konnte nicht mit, also fuhr ich alleine. Als ich da war, bat sie mich, Geld für die zu überweisen, von Russland in die Staaten, irgendwas wegen der Konditionen. Es war gar nicht so viel, 4000 oder so. Ich wollte erst nicht, aber ich liebte sie wirklich, also hab ich‘s gemacht. Aber der Betrugsversuch kam raus. Jetzt soll ich dieses Geld zahlen. Ich habe mich mit der Bank rumgestritten, aber das ist ne große Firma, ihnen ist es egal, sie wollen nur das Geld sehen. Die Frau hat mich verlassen. Das hat mich ziemlich mitgenommen. Ich hatte dieses Gefühl, und ich habe all diese Songs für sie geschrieben… Ich meine, ich habe sie wirklich geliebt. Aber offenbar war sie‘s nicht wert.

Wenn man sich verliebt, erschafft man im Kopf eine Person, die es eigentlich nicht gibt.

Ja. Es ist gefährlich. Es ist eine Illusion. Wie beim Weggehen: die Leute laufen durch die Nacht von Party zu Party und suchen jemanden, der aus der Menge auf sie zukommt …

… in Slow Motion…

Genau!

… und leuchtet.

Genau. Aber das passiert natürlich nie. Egal, in wieviele Clubs du gehst, es kommt niemals jemand leuchtend in Slow Motion auf dich zu und macht dich glücklich. Wir haben nur einfach zu viele Filme gesehen.

© Juliane Liebert, 2010
erschienen auf vice.com